Individualsoftware vs. Standardsoftware vs. No-Code: Der ehrliche Vergleich

4 Min. Lesezeit

Sie sind an einem Punkt, an dem Excel nicht mehr reicht. Falls Sie sich da unsicher sind, lesen Sie zuerst meinen Artikel Excel durch Software ersetzen.

Jetzt stehen Sie vor der Entscheidung: Kaufen oder bauen? Früher war das einfach. Heute gibt es einen dritten Weg mit No-Code.

Hier ist der Vergleich. Ungeschönt.


1. Standardsoftware (SaaS)

Sie mieten eine fertige Lösung. Salesforce, HubSpot, SAP Business One.

Der Vorteil

Sie starten sofort. Account erstellen, Kreditkarte hinterlegen, fertig. Die Software ist erprobt und hat tausende Features.

Das Problem: Die Software bestimmt

Sie passen Ihre Prozesse dem Tool an. Nicht umgekehrt. Das ist okay für Buchhaltung oder Lohnabrechnung. Da wollen Sie keine Experimente.

Aber für Ihren Kernprozess? Genau das, was Sie besser machen als die Konkurrenz? Hier bremst Standardsoftware. Wenn Ihr Prozess "A zu B zu C" vorsieht, die Software aber einen anderen Weg erzwingt, haben Sie ein Problem. Sie bauen Workarounds. Am Ende nutzen Sie das teure Tool und führen trotzdem wieder Excel-Listen daneben.

Das Risiko: Sie warten

Sie sind darauf angewiesen, dass der Hersteller liefert. Wenn sich Ihre Branche ändert, der Software-Anbieter aber nicht reagiert, stecken Sie fest. Sie arbeiten mit den Werkzeugen von gestern. Konkurrenten mit eigener Software ziehen vorbei, weil sie neue Features einfach selbst bauen. Sie warten auf die Roadmap.

Die Kosten

Der Einstieg ist günstig. Oft 50 Euro pro Nutzer im Monat. Aber rechnen Sie das hoch. Bei 10 Nutzern sind das 6.000 Euro im Jahr. Jedes Jahr. Preiserhöhungen kommen garantiert. Und am Ende gehört Ihnen nichts.


2. No-Code & Low-Code (Zapier, n8n, Bubble)

Sie bauen sich Ihre App selbst zusammen. Baukästen wie Bubble oder Airtable helfen dabei. Tools wie Zapier und n8n verbinden alles.

Der Vorteil

Geschwindigkeit. Ein Prototyp steht in Tagen. Es ist günstiger als klassische Entwicklung, weil Sie fertige Bausteine nutzen.

Das Problem: Das Kartenhaus

Tools wie Zapier oder n8n sind gerade im Hype. Zurecht. Sie sind fantastisch, um mal eben zwei Tools zu verbinden.

Aber Vorsicht, wenn Sie kritische Prozesse darauf aufbauen. Wenn 20 Automatisierungen nacheinander feuern müssen, damit eine Rechnung rausgeht, wird es gefährlich. Ändert ein Anbieter seine Schnittstelle? Fällt ein Dienst kurz aus? Dann bricht die Kette. Die Fehlersuche in einem Geflecht aus fünf verschiedenen Tools kostet Nerven und Zeit.

Die 80-Prozent-Wand

Mit Baukästen erreichen Sie die ersten 80 Prozent rasend schnell. Die letzten 20 Prozent sind oft genau die Details, die Ihren Prozess effizient machen. Die sind dann plötzlich extrem aufwändig oder technisch gar nicht möglich.

Dazu das Plattform-Risiko. Wenn Bubble die Preise erhöht (wie 2023 massiv geschehen), zahlen Sie. Wenn der Anbieter pleite geht, ist Ihre Software weg. Sie haben keinen Quellcode. Sie können nicht umziehen.


3. Individualsoftware

Eine Software, die exakt für Sie geschrieben wird.

Der Nachteil

Es dauert länger. Rechnen Sie mit 4 bis 8 Wochen bis zum Start. Und die Kosten am Anfang sind höher als die erste Monatsrate bei SaaS. Wie hoch genau, habe ich im Artikel Was kostet Individualsoftware? aufgeschlüsselt.

Der Vorteil

Die Software macht genau das, was Sie brauchen. Keine überladenen Menüs. Keine Features, die niemand nutzt.

Der entscheidende Punkt ist Eigentum. Die Software gehört Ihnen. Sie ist ein Vermögenswert in Ihrer Bilanz. Keine laufende Miete. Keine Abhängigkeit von einem Cloud-Anbieter, der seine Strategie ändert.

Skalierbarkeit

Wenn Sie wachsen, wächst die Software mit. Sie brauchen ein neues Feature? Wir bauen es. Eine Schnittstelle zum neuen Lieferanten? Wird programmiert.

Auch bei KI sind Sie im Vorteil. KI braucht ein solides Fundament. Wenn Sie die Hoheit über Ihre Daten haben, können wir echte Automatisierung integrieren. Wir müssen nicht warten, bis ein SaaS-Anbieter ein oberflächliches KI-Feature nachrüstet.


Entscheidungshilfe

KriteriumStandardsoftware (SaaS)No-Code / Low-CodeIndividualsoftware
StartzeitSofortTageWochen
Kosten initialNiedrigMittelHoch
Kosten laufendHoch (Miete)Mittel (Abo)Niedrig (Hosting)
PassgenauigkeitGering (Standard)Mittel (Baukasten)Perfekt (Maßanzug)
EigentumAnbieterAnbieterSie
RisikoFeature-StauInstabilitätProjektrisiko

Fazit

Nehmen Sie SaaS, wenn:

  • Es um Standardprozesse geht wie Buchhaltung oder E-Mail.
  • Sie so arbeiten wollen wie der Durchschnitt Ihrer Branche.

Nehmen Sie No-Code, wenn:

  • Sie einen schnellen Prototyp brauchen.
  • Das Tool nur temporär genutzt wird.
  • Sie einfache Verbindungen zwischen zwei Tools brauchen.

Bauen Sie Individualsoftware, wenn:

  • Der Prozess Ihr Wettbewerbsvorteil ist.
  • Sie keine Lust auf ewige Abo-Gebühren haben.
  • Sie Unabhängigkeit wollen.
  • Sie eine stabile Lösung brauchen, die auch in fünf Jahren noch funktioniert.

Es kostet Geld. Aber es bringt Ruhe in Ihre Prozesse. Und Zeit für Ihr Team.

Kämpfen Sie noch mit Excel?

Manuelle Prozesse abzulösen ist ein Weg. Wenn Sie einen technischen Partner dafür brauchen, bin ich da.